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Lenkschloss rastet mit Zündschlüssel ein
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Djames Offline
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Beitrag #1
ZZTwingo1 Lenkschloss rastet mit Zündschlüssel ein
Hallo liebe Twingo-Gemeinde!
ich kam neulich nicht übern TÜV, unter Anderem, weil mein Lenkrad schon im Schloss einrastete, obwohl der Schlüssel noch steckte (in der A-Position, also Schlüssel-rauszieh-Position).
Es gibt neue Zündschlösser zwar im Internet schon für unter 20 Euro aber ich hab mir trotzdem mal den Spaß gemacht, das alte Schloss auseinanderzunehmen und es ist mir tatsächlich gelungen, den Mechanismus zu reparieren Laughing
Das möchte ich euch natürlich nicht voranthalten!

Als erstes muss man die Verkleidungen abnehmen rund ums Lenkrad. Ist ein ganz schöner Fummelkram, die Befestigungen später wieder zu erwischen (beim Zusammenbauen). Das sind so Spangen auf der Rückseite, in denen die Gewinde für die Schrauben sind. Falls diese Spangen immer wieder abfallen, einfach mal etwas zusammendrücken bis sie wieder an der Stelle, wo sie sein sollen, halten.
Der frei gelegte Zündschlosszylinder sieht dann so aus:

[Bild: twingo-30202807-Pz6.jpg]
Bild 01

auf der Rückseite (also Richtung Motor) des Zylinders ist eine kleine Imbusschraube, die das Schloss im Zylinder fixiert.
Hat man diese und die schwarze Plastikverkleidung abgekriegt, kann man das Schloss in Schlüsselposition des unbeschrifteten Pfeils (zwischen A und M) herausziehen.
Die Anschlüsse:

[Bild: twingo-30203359-Xut.jpg]
Bild 02

zum Lösen muss man diese U-förmige Halterung seitlich abziehen und das ganze Teil mit dem Kabelkram durch den Zylinder rausziehen.
Ausbau geschafft!
Nun geht´s an´s AuseinandernehmenRolling Eyes
Die vordere "Blende" ist nur mit so Blechlaschen am Schloss befestigt:

[Bild: twingo-30203808-NwE.jpg]
Bild 03

Vorsicht: wenn ihr diese Kappe abhabt, kommt so eine kleine Kugel mit Feder zum Vorschein (siehe Pfeil):

[Bild: twingo-30204006-QjO.jpg]
Bild 04

Solltet ihr jetzt unbedarft die Schlüsselpositionen ausprobieren, könnt ihr die Kugel + Feder im Umkreis von 5 Metern wieder zusammensuchenEmbarassed
Bevor ihr jetzt das Schloss weiter auseinander nehmt, solltet ihr diese längliche, schwarze Plastikeinlage mit Schlitz (erkennbar in Bild 03 und 07 ) rausnehmen (mit Hilfe eines kleinen Schraubenziehers). Es müssten euch dann 6 kleine Federn und danach 6 kleine, messingfarbene Stifte entgegenkommen. Ich hab das nicht gemacht und das ganze Schloss auseinandergenommen und dann kam mir alles unkontrolliert (von innen) entgegen... daher lieber VOR dem Auseinandernehmen dieses Plastikteil rauslösen. Zum Einsetzen der Stifte und Federn später müsst ihr das Teil sowieso abnehmen (weil man es nicht anders wieder zusammen kriegt...)
Jetzt zwei weitere Schrauben lösen und das Schloss lässt sich in alle Einzelteile zerlegen:

[Bild: twingo-30204424-HDI.jpg]
Bild 05

1) das Innere des Schlosses (darin befinden sich die kleinen Stifte 10)
2) das Äußere des Schlosses (hier befindet sich das schwarze Plastikteil mit den 6 Federn 12 und den 6 messingfarbenen, gleichlangen Stiften 11)
3) der hintere, innere Teil des Schlosses. Hier befindet sich eine starke Feder, die für´s Zurückschnellen des Schlüssels nach dem Starten zuständig ist
4) der hintere äußere Teil des Schlosses, darin wird geführt
5) der Bolzen, der ausgefahren das Lenkrad blockiert
6) der Stift, der den Bolzen an dem
7) Schieber fixiert. Dieser Schieber ist im Gesamtmechanismus verantwortlich für´s korrekte (oder nicht korrekte) Sperren des Lenkrades!
8 ) ist ein Stift mit Feder, die irgendwo in Teil 2 (von hinten) drin war. Da ist irgendwo seitlich ein Loch, in der er hineinpasst. Funktion hab ich nicht erkannt.
9) ist ein kleiner Bolzen mit Rückholfeder, der seitlich in 1 steckt. Dieser Bolzen wird vom gesteckten Schlüssel verdrängt und gibt diese "Schlüssel-steckt-Information" weiter an 7
10) sind 6 unterschiedlich lange (Unterschiede minimalst) Stifte aus Stahl, die in den 6 Löchern von 1 stecken (ganz am Ende ist noch ein 7tes Loch, keine Ahnung wofür das ist. Da gehört aber kein Stift rein. Guckt es euch genau an, dann seht ihr wie es gehört.)
11) sind 6 kleine, gleichlange messingfarbene Stifte, die in 2 gehören. Achtung: 10 und 11 scheinen ein vorne und hinten zu haben! Guckt es euch, wenn möglich, beim Auseinandernehmen gut an. Ich hab es mit probieren wieder zusammengekriegt. Aber beim ersten Versuch klemmte es irgendwie.
12) sind die dazugehörigen Federn
13) ist so ein Flossenförmiges Plastikteil mit Feder, das vorne in 1 steckt, erkennbar auf Bild 04
es hat auch irgendwas mit dem "Zuschnapp-Mechanismus" des Schlosses zu tun.
14) Kugel und Feder, die auch vornean sitzen in 2, siehe auch Bild 04
15) diese äußere Blechblende

Soweit der Aufbau usw. Nun zu dem Mechanismus, der dafür sorgt, dass das Schloss einrastet- aber bitte erst, nachdem der Schlüssel gezogen ist:

[Bild: twingo-30212421-OxI.jpg]
Bild 06

dies ist dieser Schieber (7), auf den der Bolzen trifft, der vom gesteckten Schlüssel an den Schieber gedrückt wird und diesen leicht nach außen verschiebt.

[Bild: twingo-30212656-Vmv.jpg]
Bild 07

die Pfeile (1) zeigen diesen Schieber im Gehäuse in der Position "Schloss-nicht-einrasten!"
Ich hoffe, man erkennt, dass die beiden nach außen gebogenen Laschen des Schiebers auf zwei "Höckern" ruhen und somit nicht nach hinten (auf dem Foto: nach links) schnellen können. Tun sie dies nämlich, rastet das Schloss ein! Das soll ja aber erst passieren, wenn der Schlüssel gezogen wird.
Der Fehler besteht darin, dass der Schieber noch bei steckendem Schlüssel von diesen Höckern rutscht und nach hinten schnellt!
Pfeil 2 zeigt nochmal die Plastikhalterung, hinter der sich die Federn und äußeren Stifte befinden

[Bild: twingo-30213335-3rE.jpg]
Bild 08

hier sieht man dieselbe Situation von innen:
Pfeil 1 zeigt die nach vorne weisende Lasche dieser drei Laschen vom Schieber.
Wird der Schlüssel auf die A-Position gedreht, muss diese Lasche vom Schlüssel (bzw. vom Bolzen, der vom Schlüssel nach außen gedrückt wird) noch soweit nach außen gedrückt werden, dass die beiden nach außen weisenden Laschen durch die Höcker blockiert sind (siehe vorheriges Bild)
Pfeil 2 zeigt die äußeren 6 Löcher, in die (bitte von außen) die 6 Messingstifte, die 6 Federn und dann die Plastikhalterung geschoben werden.

Genau das passiert beim fehlerhaften Schloss aber nicht! Da wird die mittlere Lasche des Schiebers nicht mehr genügend nach außen gedrückt, sodass die zwei äußeren Laschen nicht mehr durch die Höcker blockiert werden.
Der Grund wird sein: eine Abnutzung der mittleren Lasche des Schiebers! Guckt man sie sich genau an, wirkt sie jedenfalls recht abgenutzt:

[Bild: twingo-30214427-vdH.jpg]
Bild 09

Dann habe ich mich beherzt drangemacht, diesen Schieber etwas zu verbiegen!
Die folgenden zwei Bilder zeigen den Schieber vorher und nachher. Wobei ich die Biegung sogar wieder etwas zurückgenommen habe- aber damit klar wird wie ich´s meine hab ich das Bild mit der etwas zu starken Biegung genommen:

vorher:
[Bild: twingo-30214840-2tK.jpg]
Bild 10

nachher:
[Bild: twingo-30214936-OJV.jpg]
Bild 11

vor allem hab ich (wie man sieht) alle Teile gründlich gereinigt und dann so lange probiert (und provisorisch zusammengeschraubt), bis das Schloss korrekt schloss. Dann habe ich den Innenraum noch schön mit Fett für Rollen eingefettet (sowas scheint auch vorher benutzt worden zu sein).
Seitdem funktioniert es wieder einwandfrei!

Viel Spaß beim Basteln und viele Grüße,
JensWaving
30.08.2020 21:10
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Beitrag #2
RE: Lenkschloss rastet mit Zündschlüssel ein
.
Hast du prima gemacht und vor allem sehr gut dokumentiert.

Ja, wenn es denn so einfach wäre.
Als ich die Bilder gesehen habe habe ich dirkkt gedacht, hey, warum den Deckel abpröckeln, der bleibt ewig hässlich.
Ich konnte mich erinnern dass bei mir der Sperrschieber so rauskam.
Stimmt auch, mein Schloss ist nämlich anders aufgebaut.
Die Ausbausperre ist anders, die Schildbefestigung und leider auch der Dickentaster.
Und jetzt Bilder in mäßiger Quali weil mal eben zwischendurch gemacht.
[Bild: twingo-31004841-lys.jpg]
Schloss teilzerlegt. Ausbausperre als Rolle, Schild rundum verbördelt.

[Bild: twingo-31005028-oTD.jpg]
Blick auf die steuernde Kurvenscheibe mit Sicherung

[Bild: twingo-31005217-YIM.jpg]
Kurvenscheibe abgenommen

[Bild: twingo-31005320-GJB.jpg]
Sperrschieber rausgenommen. Vorsicht, die Feder geht gerne fliegen.

[Bild: twingo-31005416-vhJ.jpg]
Blick von der Seite. Man erkennt die Ausbausperre und die Sperrklinke mit Kugel.
Die Kugel hält den Schieber fest, die Klinke sichert zusätzlich über eine Kurve auf dem Schließzylinder.

[Bild: twingo-31005830-Hjh.jpg]
Von etwas näher

[Bild: twingo-31010324-fzL.jpg]
Der eigentliche Taster im Schlosskern

[Bild: twingo-31005935-d8T.jpg]
Schlosskern mit Öffnung für den Dickentaster, Stellung ohne Schlüssel

[Bild: twingo-31010101-Tqo.jpg]
Position mit Schlüssel. Das ist vielleicht ein halber Millimeter.

[Bild: twingo-31010212-BoY.jpg]
Gegenstück im Zylinder und Herstellerhinweis

[Bild: twingo-31010637-ls3.jpg]
Dieser Text gilt für oben und unten. Wackeln am Blech bzw. soweit biegen dass es noch nicht klemmt
kann dazu führen dass die Verriegelung auslöst bzw. hält.
[Bild: twingo-31010648-kFW.jpg]

[Bild: twingo-31010657-ACz.jpg]
Stellvertretend für alle Zuhaltungen eine davon mit Abdeckblech.
Wer doch ein neues Schloss einbaut kann die Stifte vom alten Schloss übernehmen sodass man den alten Schlüssel behalten kann.

Wichtig
Ich will Djames Beitrag nicht verwässern sondern darauf hinweisen dass es sehr unterschiedliche Schlösser gibt.
Das hier ist nach Lizenz "Sipea" gebaut und stammt aus einem 1998er Phase1 Twingo.

Geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen
31.08.2020 00:15
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Beitrag #3
RE: Lenkschloss rastet mit Zündschlüssel ein
Djames 200 € gespart, super gemacht die Docu. Wink

Bleibt gesund und haltet bitte Abstand

Mein Silver, Twingo Bj. 03 2002 Privilege, D7F, zum Glück ohne UCH, 104 Tkm gelaufen
Die Cliopatra meiner Frau, Clio Bj 08.2003 Privilege, D4F, mit UCH etwas über 146 Tkm gelaufen.
31.08.2020 04:43
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Djames Offline
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Beitrag #4
RE: Lenkschloss rastet mit Zündschlüssel ein
Danke an Ulli! Und cool mit deiner Ergänzung- ist ja wirklich anders aufgebaut dein Schloss- klar, je mehr Systeme dokumentiert sind desto besser!
Und danke auch an Franky! Ja- macht Spaß, selbst was zu reparieren, sofern es die Fähigkeiten eines Laien nicht übersteigt und erfolgreich ausgeht! Cool
31.08.2020 20:27
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